Größtes Bundesbauprojekt des SBL Rostock
03.07.2026 • Neubau Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung - Fachbereich Finanzen - Nebenstelle Rostock
Das größte Bundesbauprojekt in Mecklenburg-Vorpommern ist fertiggestellt: Für 230 Millionen Euro hat das Staatliche Bau- und Liegenschaftsamt (SBL) Rostock im Auftrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) einen neuen Campus für die Hochschule des Bundes / Fachbereich Finanzen errichtet.
Der neue Zoll-Campus in Rostock-Lichtenhagen bietet bis zu 600 Studierenden und 130 Beschäftigten exzellente Bedingungen zum Lernen, Lehren und Arbeiten.
Aufgrund neuer Aufgaben verzeichnet die Bundeszollverwaltung einen stark wachsenden Personalbedarf. Um diesen zu decken, werden die Ausbildungskapazitäten ausgebaut und die Einstellungszahlen erhöht. Mit dem fertiggestellten Campus erwacht ein alter Bildungsstandort im Stadtteil Lichtenhagen in der Rostocker Möllner Straße zu neuem Leben: Wo schon vor der politischen Wende Studierende ein- und ausgingen, absolviert nun der Nachwuchs des gehobenen Zolldienstes sein dreijähriges duales Studium.
Das Raumprogramm der Hochschule setzt sich aus verschiedenen Funktionsbausteinen zusammen. Die Identität des Standortes ist dabei maßgeblich durch die großflächigen, hochschulspezifischen Nutzungen sowie die Unterkünfte geprägt. Täglich absolvieren hier bis zu 600 Studierende ihren theoretischen Ausbildungsteil: Sie besuchen Vorlesungen und Seminare, bereiten sich auf Klausuren vor, verabreden sich zum Mittagessen oder feiern Feste.
Zudem haben über 100 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz an der Hochschule. Sie sorgen dafür, dass Lehre, Verwaltung und die Bewirtschaftung des Campus reibungslos funktionieren. Insgesamt ist ein hochwertiger Standort entstanden, der Lern-, Arbeits- und Lebensort zugleich ist – ein Raum, an dem sich Studierende gerne aufhalten und produktiv lernen. Durch die Anbindung an die angrenzenden Wohnquartiere ist ein lebendiger Stadtbaustein entlang der Möllner Straße geschaffen worden.
Städtebau
Der neue Campus wird von zwei prägenden Baukörpern gerahmt: dem Lehrgebäude am Nordrand und den Wohngebäuden im Süden.
Zwischen ihnen erstrecken sich zwei parkähnliche Freiräume, die den alten Baumbestand integrieren und unterschiedliche Funktionen erfüllen. Der zentrale Campus-Park südlich des Lehrgebäudes dient der Erschließung und als Treffpunkt im Freien. Gleichzeitig verbindet er den Campus als öffentlicher Fußweg mit den angrenzenden Wohnquartieren. Das baulich erhöhte „Gartendeck“ zwischen den Wohngebäuden dient hingegen der Erweiterung des Wohnraums für die Studierenden und hat einen privateren Charakter. Die Topographie trennt dabei öffentliche und halböffentliche Bereiche ganz natürlich. Trotz der dichten Bebauung bleibt der Parkcharakter erhalten und steht sowohl den Hochschulnutzern als auch der Nachbarschaft zur Verfügung.
Die erforderlichen Pkw-Stellplätze werden größtenteils in der Tiefgarage unter den Wohngebäuden (192 Stück) sowie auf einer weiteren Anlage im Nordosten des Grundstücks (100 Stück) untergebracht. Die Andienung aller Gebäude erfolgt über die bestehenden Quartiersstraße. Durch dieses Erschließungskonzept können Park und Gartenraum vollständig vom Autoverkehr freigehalten werden.
Ein nachhaltiges Wassermanagement prägt den Außenbereich:
Retentionsmulden im Außenbereich fangen Regenwasser auf und leiten es gezielt ins Grundwasser. Zudem sind die Parkgarage und die Dachflächen als begrünte Retentionsdächer gestaltet. Eine Zisterne speichert Teile des Regenwassers für die spätere Bewässerung der Grünflächen. Zusammen mit einer artenreichen standortgerechten Bepflanzung entstehen so ökologisch wertvolle Lebensräume.
Architektur
Die neuen Wohngebäude fügen sich ausgewogen in die bauliche Umgebung ein: In Form und Typologie vermitteln sie zwischen der bestehenden Wohnbebauung im Osten und den Gebäuden an der Westseite der Möllner Straße. Sie bieten 600 Einzelunterkünfte, ergänzt durch acht Eltern-Kind-Zimmer und zwölf barrierefreie Unterkünfte. Während die Obergeschosse neben den Zimmern auch zentrale Küchenbereiche beherbergen, ist das Erdgeschoss ganz der Gemeinschaft gewidmet. Hier gibt es Aufenthaltsräume und einen Fitnessraum.
Bei den Wohngebäuden bestehen Tiefgarage, Erdgeschoss und Erschließungskerne aus Stahlbeton. Die Wohn- und Unterkunftsbereiche in den Obergeschossen wurden dagegen komplett in Holzmodulbauweise errichtet. Um die Anlieferung und Produktion der Module wirtschaftlich und reibungslos zu gestalten, wurde in Rostock eine eigene Fertigungsstrecke aufgebaut. Dort entstanden täglich acht Module. Verwendet wurde heimisches Holz aus Mitteleuropa, hauptsächlich Fichte. Das Material schafft im Inneren der Gebäude eine helle, freundliche Atmosphäre und ist besonders robust und pflegeleicht.
Das neue Lehrgebäude bildet den nördlichen Abschluss des Campus. In den Obergeschossen weicht die Fassade zurück: Das bricht die strenge Raumkante auf und lockert den langgestreckten Baukörper optisch auf. Integrierte Lichthöfe leiten das Tageslicht über mehrere Stockwerke tief bis in das Erdgeschoss. Hier befinden sich die Mensa, das Audimax, der Großlehrsaal und die Bibliothek. Zum Campuspark hin öffnet sich die Fassade hier transparent und erlaubt Einblicke in das Leben im Gebäude.
Herzstück der Erschließung ist eine großzügige, hell belichtete Magistrale. Sie verbindet in den vier Etagen alle Lehrsäle, Gruppenräume, Büros und Verwaltungseinheiten.
Das Lehrgebäude wurde als vorgefertigter Holzbau realisiert. Wegen der besonderen funktionalen Anforderungen kam eine Mischkonstruktion aus elementierter und modularer Holzbauweise zum Einsatz. Das Unter- und Erdgeschoss sowie die Erschließungsachsen rund um die Magistrale bestehen aus Stahlbeton. Das war aus Gründen der Statik und des Brandschutzes notwendig.
Nachhaltigkeit
Bei der Maßnahme wurde das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen des Bundes (BNB) sinngemäß angewendet, um das Silberniveau zu erreichen.
Für den Hochschulcampus wurde ein nachhaltiges und innovatives Energieversorgungskonzept entwickelt, das den hohen Ansprüchen der verschiedenen Nutzungsszenarien gerecht wird. Die Gebäude decken einen erheblichen Teil ihres Strombedarfs über eigene Photovoltaikanlagen auf den Dachflächen. Ein leistungsstarkes Daten- und Mediennetzwerk sowie ein energiesparendes Beleuchtungskonzept in den Innen- und Außenbereichen sichern die zukunftsorientierte Infrastruktur. Zudem sind die Stellplätze in der Tiefgarage und im Freien anteilig mit E-Ladesäulen ausgestattet.
Gebäudetechnik
Die Wärmeversorgung erfolgt über Fernwärme. Während im Lehrgebäude kombinierte 4-Leiter-Heiz-/Kühlsegel eine individuelle Raumtemperierung ermöglichen, werden die Unterkünfte im Wohngebäude klassisch über Heizkörper sowie Handtuchheizkörper in den Bädern beheizt.
Alle Lüftungsanlagen verfügen über eine Wärmerückgewinnung. Im Wohngebäude sichert eine zentrale Abluftanlage die Luftqualität und entfeuchtet die Nassbereiche. Im Lehrgebäude wird die Lüftung durch eine adiabate Kühlung ergänzt.
Sicherheitstechnisch sind alle Gebäude mit BOS-Funk, Brandmelde- und flächendeckenden Zutrittskontrollanlagen ausgestattet; das Lehrgebäude verfügt zusätzlich über eine AMOK- und Sprachalarmierungsanlage.
Kunst am Bau
Für den Neubau der Zollhochschule wurden in zwei Kunst-am-Bau-Wettbewerben beeindruckende Arbeiten für das Lehrgebäude und den Campuspark ausgewählt.
Der Fokus des Wettbewerbs für die Freianlagen konzentriert sich auf den Bereich rund um den Hauptzugang sowie entlang des zentralen Campuswegs.
Hier überzeugte der Siegerentwurf
„7 Hände gleichen Werts“ von Ingo Vetter, der den Wert von Arbeit und den internationalen Warenverkehr thematisiert. Sieben Steinskulpturen gebender und nehmender Hände – jeweils in verschiedenen Ländern mit einem identischen Budget von 40.000 Euro gefertigt – werden auf Sitzpodesten im Park platziert.
Eine begleitende Broschüre dokumentiert den Entstehungsprozess und liefert Daten zu Zoll, Transport, CO₂-Fußabdruck sowie Produktionsbedingungen. Dies verleiht dem Werk eine pädagogische und diskursive Dimension, die weit über die reine Ästhetik hinausgeht.
Für den Wettbewerb für das Lehrgebäudes standen die geschossübergreifenden Sichtbeton-Wandflächen des Haupt- und Nebenfoyers als Kunststandorte zur Verfügung. Hier überzeugte die künstlerische Arbeit "Wand – Teppich" von Karin Sander.
Das Werk greift zentrale Fragen des Zolls subtil auf: Was ist sichtbar, was verborgen? Was ist Original, was Kopie, echt oder Fälschung? Der Wandteppich fungiert als Projektionsfläche für Themen wie Kontrolle, Täuschung und Kostbarkeit, während er gleichzeitig eine eigene Bildsprache im Dialog mit der Architektur entfaltet.
Die Fertigstellung und Installation der Kunstwerke vor Ort ist bis Ende September 2026 geplant. Verantwortlich für die Durchführung der Wettbewerbe waren das SBL Rostock und die BImA.
Planungsdaten Neubauten AFZ
| Bauherr | Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das SBL Rostock |
|---|---|
| genehmigte Gesamtkosten | ca. 230 Millionen Euro |
| Baubeginn | 01/2024 |
| Technische Abnahme und Übergabe | 01/2026 |
| Hauptnutzfläche | ca. 25.300 m² |
| Bruttorauminhalt | ca. 210.000 m³ |
| Architektur | Sauerbruch Hutton Architekten, Berlin |
| Projektentwickler | Primus developments GmbH, Hamburg |
| Holz-/ Holzmodulbau | Kaufmann Bausysteme GmbH, Reuthe Österreich |
| Landschaftsarchitektur | ST raum a. Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin |
| TGA-Planung | Ecotec GmbH, Bremen |
| Tragwerksplanung Massivbau | Wetzel & von Seth, Hamburg |
| Tragwerksplanung Holzbau | merz kley partner, Dornbrin Österreich |
| Bauphysik | Drees & Sommer, Berlin |
| Anteil regionaler Firmen | 45 % |
Stand: 29.06.2026
Neubau Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung - Fachbereich Finanzen - Nebenstelle Rostock
18109 Rostock, Möllner Straße 3
Links zu diesem Thema
- Feierliche Eröffnung der Zollhochschule in Rostock-Lichtenhagen
- Technische Übergabe der Zollhochschule Rostock erfolgt
- Wettbewerb Kunst-am-Bau entschieden
- Kunst am Bau: Preisgericht zur Hochschule des Bundes in Rostock tagt
- Stapelfest für das größte Holzmodulbauprojekt in Europa gefeiert
- Schnell gestapelt - Meilenstein beim Neubau AFZ steht kurz bevor
- Ausbau der neuen Zollhochschule läuft auf Hochtouren
- Gut gebaut: Bilanz Staatliches Bauen 2022 bis 2026
- Spotlight Bundesbau in MV (weiter zu LinkedIn)
- Beschreibung unseres Bauprojekts auf www.bundesbau.de